Saubere Gewinde beginnen beim Kernloch
Beim Gewindeschneiden entscheidet nicht erst der Gewindebohrer über das Ergebnis. Die Grundlage entsteht schon vorher: beim Kernloch. Ist die Bohrung zu klein, wird der Gewindebohrer unnötig stark belastet. Ist sie zu groß, wird das Gewinde zu flach und verliert an Halt. Genau deshalb lohnt es sich, das Kernlochmaß vor dem Schneiden bewusst zu prüfen und nicht nur nach Gefühl zu bohren.
„Beim Kernloch zeigt sich sehr gut, warum Gewindeschneiden ein Prozess ist. Wenn Bohrdurchmesser, Werkzeug und Werkstoff nicht zusammenpassen, kann das fertige Gewinde nicht sauber und zuverlässig funktionieren.“
Was ist ein Kernloch und wie berechnest Du das Maß?
Das Kernloch ist die vorgebohrte Bohrung, in die anschließend das Innengewinde geschnitten wird. Der Gewindebohrer schneidet aus dieser Bohrung die Gewindeflanken heraus. Damit das fertige Gewinde sauber läuft und später zuverlässig hält, muss der Durchmesser genau zur Gewindegröße und zur Steigung passen.
Bei metrischen ISO-Gewinden hilft Dir im Werkstattalltag eine einfache Faustformel:
Ein Beispiel:
- Gewinde: M10 x 1,5
- Nenndurchmesser: 10 mm
- Steigung: 1,5 mm
- Rechnung: 10 mm minus 1,5 mm
- Kernlochmaß: 8,5 mm
Das passende Kernloch für M10 x 1,5 beträgt also 8,5 mm.
Wichtig ist dabei die vollständige Gewindebezeichnung. M10 ist nicht automatisch gleich M10. Ein M10-Regelgewinde hat üblicherweise die Steigung 1,5 mm. Ein M10 x 1,0 Feingewinde hat dagegen eine kleinere Steigung. Dadurch ändert sich auch das Kernlochmaß: Statt 8,5 mm liegt es hier bei etwa 9,0 mm.
Deshalb solltest Du vor dem Bohren immer kurz prüfen:
- Welche Gewindegröße wird benötigt?
- Welche Steigung ist angegeben?
- Handelt es sich um Regelgewinde oder Feingewinde?
- Gibt es eine Zeichnung, Tabelle oder Werkzeugvorgabe?
Die Faustformel ist besonders praktisch, wenn es schnell gehen muss. Sie ersetzt aber nicht in jedem Fall die Kernlochtabelle. Gerade bei Feingewinden, Zollgewinden, Rohrgewinden, Sondergewinden, Serienfertigung oder sicherheitsrelevanten Bauteilen solltest Du immer mit passenden Tabellenwerten arbeiten.
Damit Du dafür nicht selbst in einer Tabelle suchen musst, haben wir alle Werte in unserem Kernlochrechner hinterlegt. Einfach Gewindesystem und Größe auswählen – ob metrisches Regel- oder Feingewinde, Zollgewinde wie UNC und UNF oder Sondergewinde wie Rohr- oder Panzergewinde – und das passende Kernlochmaß erscheint direkt.
Kernlochrechner
Gewinde auswählen
Empfohlenes Kernloch
Gewindesystem und Größe wählen.
Quelle: VÖLKEL GmbH
Kurz gesagt: Für einfache metrische Regelgewinde liefert die Faustformel eine gute Orientierung. Sobald es genauer, spezieller oder belastbarer werden muss, ist die Kernlochtabelle die sichere Grundlage.
Welche Kernlochmaße sind bei metrischen Regelgewinden üblich?
Einige Kernlochmaße kommen in der Praxis besonders häufig vor. Dazu gehören zum Beispiel:
| Gewinde | Steigung | Kernlochbohrer |
|---|---|---|
| M3 | 0,5 mm | 2,5 mm |
| M4 | 0,7 mm | 3,3 mm |
| M5 | 0,8 mm | 4,2 mm |
| M6 | 1,0 mm | 5,0 mm |
| M8 | 1,25 mm | 6,8 mm |
| M10 | 1,5 mm | 8,5 mm |
| M12 | 1,75 mm | 10,2 mm |
Diese Werte gelten für metrische Regelgewinde. Bei Feingewinden oder Sondergewinden sollte immer die passende Kernlochtabelle genutzt werden.
Zu groß oder zu klein: Was passiert bei falschen Kernlochmaßen?
Das Kernlochmaß muss zum Gewinde passen. Schon kleine Abweichungen können später Probleme machen. Dabei ist nicht nur ein zu kleines Kernloch kritisch. Auch ein zu großes Kernloch kann die Verbindung schwächen.
Ist das Kernloch zu klein, muss der Gewindebohrer mehr Material schneiden. Das Drehmoment steigt, die Spanbildung wird schwieriger und das Werkzeug wird stärker belastet. Besonders bei Sacklöchern, Edelstahl oder zähen Werkstoffen kann das schnell kritisch werden.
Typische Folgen sind:
- hoher Kraftaufwand beim Schneiden
- schlechte Spanabfuhr
- raues oder beschädigtes Gewinde
- höherer Verschleiß am Gewindebohrer
- Werkzeugbruch im Bauteil
Ist das Kernloch zu groß, läuft der Gewindebohrer zunächst oft leichter. Das Problem zeigt sich aber später am fertigen Gewinde. Die Gewindeflanken werden flacher, die Schraube greift schlechter und die Verbindung verliert an Tragfähigkeit.
Das betrifft besonders Bauteile, die mehrfach verschraubt werden, Vibrationen ausgesetzt sind oder hohe Kräfte aufnehmen müssen.
Kurz gesagt: Ein Kernloch sollte nicht „ungefähr“ passen. Es muss so gewählt werden, dass der Gewindebohrer sauber schneiden kann und das fertige Gewinde später zuverlässig hält.
Wie bereitest Du das Kernloch richtig vor?
Für ein sauberes Innengewinde zählt nicht nur der Durchmesser. Auch die Vorbereitung muss stimmen. Das Kernloch sollte gerade, sauber und mit einem passenden Bohrer gesetzt werden. Danach wird die Bohrung leicht angesenkt, damit der Gewindebohrer besser ansetzt und der Gewindeanfang sauberer wird.
Bei Sacklöchern ist zusätzlich die Tiefe wichtig. Der Gewindebohrer braucht Platz für Anschnitt, Späne und die gewünschte nutzbare Gewindelänge. Wird zu kurz gebohrt, fehlen am Ende vollständige Gewindegänge.
Eine saubere Vorbereitung besteht aus:
- passendem Kernlochmaß
- sauberer und gerader Bohrung
- leichter Senkung
- ausreichender Bohrtiefe bei Sacklöchern
- geeignetem Kühlschmierstoff
- gerade angesetztem Gewindebohrer
So läuft der Gewindeschnitt kontrollierter und das Werkzeug wird weniger belastet.
Gewindebohrer oder Gewindeformer: Warum das Kernloch nicht gleich ist
Beim Gewindebohrer wird Material geschnitten. Beim Gewindeformer wird Material verdrängt und in Form gebracht. Deshalb brauchen beide Verfahren unterschiedliche Kernlochmaße.
Wer für einen Gewindeformer einfach die Kernlochtabelle für Gewindebohrer verwendet, riskiert zu hohe Kräfte, schlechte Gewindequalität oder Werkzeugbruch.
Deshalb gilt: Vor der Bearbeitung muss klar sein, ob das Gewinde geschnitten oder geformt wird. Erst dann lässt sich das passende Kernlochmaß auswählen.
Kernloch und Gewinde sauber schneiden mit VÖLKEL
Das Kernloch ist ein gutes Beispiel dafür, dass Gewindeschneiden nicht erst beim Werkzeug beginnt. Erst wenn Bohrung, Gewindegröße, Werkstoff und Werkzeug zusammenpassen, entsteht ein Innengewinde, das sauber läuft und zuverlässig hält.
Wir bieten Gewindebohrer für unterschiedliche Anwendungen, Werkstoffe und Gewindearten an. Vom Handgewindebohrer bis zum Maschinengewindebohrer kommt es darauf an, das passende Werkzeug zur Bearbeitungssituation auszuwählen.
Besonders wichtig ist das bei:
- Reparaturen
- Einzelteilen
- Serienfertigung
- Sacklöchern
- Feingewinden
- schwer zerspanbaren Werkstoffen
- Bauteilen mit hoher Gewindebelastung
Der Vorteil liegt in der Sicherheit: Wer das Kernloch richtig vorbereitet und mit einem passenden Gewindebohrer arbeitet, reduziert Werkzeugbruch, verbessert die Gewindequalität und schafft eine Verbindung, die später zuverlässig hält.
Fazit: Das richtige Kernloch ist die Basis für ein sauberes Gewinde
Das Kernlochmaß wirkt unscheinbar, entscheidet aber darüber, ob ein Innengewinde sauber läuft, belastbar ist und zur Schraube passt. Ist die Bohrung zu klein, wird der Gewindebohrer stark belastet. Ist sie zu groß, verliert das Gewinde an Tragfähigkeit.
Vor dem Gewindeschneiden lohnt sich deshalb ein kurzer Check: Stimmen Gewindegröße, Steigung, Bohrtiefe, Bearbeitungsverfahren und Werkzeugauswahl?
Für metrische Regelgewinde hilft die Faustformel Nenndurchmesser minus Steigung. Bei Feingewinden, Sondergewinden oder Gewindeformern sollte immer die passende Tabelle genutzt werden.
Wer sauber vorbohrt, leicht ansenkt und mit dem passenden VÖLKEL Gewindebohrer arbeitet, schafft die Grundlage für ein maßhaltiges, leichtgängiges und belastbares Innengewinde.
FAQ zu Kernlochmaßen für Gewindebohrer
Was ist ein Kernloch?
Das Kernloch ist die Bohrung, in die anschließend ein Innengewinde geschnitten wird. Der Durchmesser muss zur Gewindegröße und zur Steigung passen.
Wie berechnet man das Kernlochmaß?
Bei metrischen ISO-Gewinden gilt als Faustformel: Nenndurchmesser minus Steigung.
Welches Kernloch brauche ich für M6?
Für M6 x 1,0 beträgt das übliche Kernlochmaß 5,0 mm.
Welches Kernloch brauche ich für M8?
Für M8 x 1,25 beträgt das übliche Kernlochmaß 6,8 mm.
Welches Kernloch brauche ich für M10?
Für M10 x 1,5 beträgt das übliche Kernlochmaß 8,5 mm.
Muss man vor dem Gewindeschneiden ansenken?
Ja. Eine leichte Senkung hilft dem Gewindebohrer beim Ansetzen und sorgt für einen saubereren Gewindeanfang.
Sind die Kernlochmaße für Gewindebohrer und Gewindeformer gleich?
Nein. Gewindeformer verdrängen Material und benötigen andere Kernlochmaße als schneidende Gewindebohrer.