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Innengewinde mit Gewindelehrdorn prüfen: So funktioniert’s richtig

Ein Innengewinde kann sauber geschnitten aussehen und trotzdem außerhalb der zulässigen Toleranz liegen. Die Gewindegänge sind sichtbar, die Oberfläche wirkt ordentlich und eine Schraube lässt sich vielleicht sogar ansetzen. Ob das Gewinde wirklich passt, zeigt aber erst die Prüfung mit dem passenden Präzisions-Gewindelehrdorn.

„Bei einer Gewindeprüfung geht es nicht darum, ob ein Gewinde gut aussieht. Entscheidend ist, ob es innerhalb der zulässigen Toleranz liegt.“

Simon Siebert,
Head of Production & QS

Präzisionsgewindelehrdorn, Gutlehrdorn oder Ausschusslehrdorn: Was ist gemeint?

Der Überbegriff für diese Prüfmittel ist Präzisionsgewindelehrdorn. Je nach Gewindegröße und Gewindeart kann die Ausführung unterschiedlich aufgebaut sein.

Bei kleineren Abmessungen gibt es häufig einen Gewindegrenzlehrdorn, bei dem Gutseite und Ausschussseite an einem gemeinsamen Prüfmittel sitzen. Das ist bei metrischen Regelgewinden bis M36 und bei metrischen Feingewinden bis M40 üblich.

Ab größeren Abmessungen werden Gut- und Ausschussprüfung getrennt ausgeführt. Bei metrischen Regelgewinden ab M39 und bei metrischen Feingewinden ab M40 gibt es deshalb jeweils separate Prüfmittel:

  • Gutlehrdorn: für die GO-Prüfung
  • Ausschusslehrdorn: für die NO-GO-Prüfung

Bei anderen Gewindearten, zum Beispiel Zollgewinden, ist die Verteilung ähnlich aufgebaut. Entscheidend ist immer, dass der Lehrdorn zur Gewindeart, Gewindegröße und Toleranzklasse passt.

Was prüft ein Gut- und Ausschusslehrdorn?

Ein Gut- und Ausschusslehrdorn prüft Innengewinde nicht nach Gefühl, sondern nach klaren Grenzmaßen. Ob beide Seiten an einem gemeinsamen Gewindegrenzlehrdorn sitzen oder als separate Gut- und Ausschusslehrdorne ausgeführt sind, hängt von der Abmessung und Gewindeart ab.

Für die Prüfung bleibt das Prinzip gleich:

  • Gutseite: Sie muss sich leicht und vollständig einschrauben lassen. Dann ist das Gewinde grundsätzlich verwendbar.
  • Ausschussseite: Sie darf sich nicht vollständig einschrauben lassen. Sonst ist das Gewinde zu groß und liegt außerhalb der zulässigen Toleranz.

Damit wird schnell sichtbar, ob ein Innengewinde passt oder nicht. Der Lehrdorn misst also nicht jeden einzelnen Gewindewert separat, sondern beantwortet die entscheidende Praxisfrage:

Liegt das Innengewinde innerhalb der zulässigen Grenzen?

Genau deshalb ist die Prüfung in Werkstatt, Qualitätssicherung und Serienfertigung so praktisch. Sie ist schnell, eindeutig und direkt am Bauteil durchführbar.

Gutseite und Ausschussseite: Wo liegt der Unterschied?

Bei der Gewindeprüfung geht es immer um zwei Grenzen. Das Gewinde darf nicht zu eng sein, aber auch nicht zu groß. Genau dafür gibt es die beiden Prüfseiten beziehungsweise die beiden separaten Lehrdorne.

MerkmalGutlehrdornAusschusslehrdorn
Aufgabeprüft, ob das Innengewinde verwendbar istprüft, ob das Innengewinde zu groß ist
Anwendungmuss sich leicht und vollständig einschrauben lassendarf sich nicht vollständig einschrauben lassen
AussageGewinde ist nicht zu engGewinde ist nicht zu weit
Typisches ProblemGutseite klemmt oder geht nicht tief genug reinAusschussseite lässt sich zu weit einschrauben
Wichtigster Punktnicht mit Kraft nachhelfennicht „mit Gefühl weiterdrehen“

Kurz gesagt: Die Gutseite muss gehen. Die Ausschussseite darf nicht gehen. Erst wenn beides zutrifft, liegt das Innengewinde im zulässigen Bereich.

So prüfst Du ein Innengewinde richtig

Vor der Prüfung sollte das Gewinde sauber sein. Späne, Schmutz, Ölreste oder Grate können das Ergebnis verfälschen. Besonders direkt nach dem Gewindeschneiden oder Gewindeformen lohnt sich deshalb ein kurzer Blick ins Bauteil.

Zuerst wird mit der Gutseite geprüft. Der Gutlehrdorn wird gerade angesetzt und von Hand in das Innengewinde eingeschraubt. Dabei gilt:

  • gerade ansetzen
  • von Hand prüfen
  • nicht verkanten
  • nicht drücken
  • kein Werkzeug verwenden

Die Gutseite muss sich leicht und vollständig einschrauben lassen. Danach kommt die Ausschussseite. Auch sie wird gerade angesetzt und nur von Hand geprüft. Der Ausschusslehrdorn darf sich nicht vollständig einschrauben lassen.

Bei metrischen Innengewinden wird in der Praxis häufig mit der Regel gearbeitet, dass sich die Ausschussseite nicht weiter als etwa zwei Umdrehungen einschrauben lassen darf. Maßgeblich sind aber immer die jeweilige Norm, Toleranzklasse und Prüfvorgabe.

Was bedeutet es, wenn die Prüfung nicht passt?

Wenn die Prüfung nicht passt, zeigt die jeweilige Seite schon sehr gut, in welche Richtung das Problem geht:

  • Gutlehrdorn geht nicht sauber rein: Das Gewinde ist meistens zu eng, nicht vollständig hergestellt oder blockiert.
  • Ausschusslehrdorn geht zu weit rein: Das Gewinde ist meistens zu groß oder außerhalb der zulässigen Toleranz.

Die Ursachen können an unterschiedlichen Stellen im Prozess liegen:

Mögliche UrsacheWas dahinterstecken kann
Kernloch passt nichtDas Kernloch war zu klein oder zu groß. Dadurch wird das Innengewinde später zu eng oder zu weit.
Gewinde nicht tief genugDie Gutseite lässt sich nicht vollständig einschrauben, weil die nutzbare Gewindetiefe fehlt.
Werkzeug verschlissen oder ungeeignetDer Gewindebohrer oder Gewindeformer arbeitet nicht mehr sauber oder passt nicht zur Anwendung.
Werkzeug schneidet oder formt zu großDie Ausschussseite greift zu weit, weil das Gewinde außerhalb der Toleranz liegt.
Späne, Grate oder BeschädigungenDas Gewinde ist blockiert oder läuft ungleichmäßig.
Lehrdorn schräg angesetztDie Prüfung wird verfälscht, obwohl das Gewinde eventuell in Ordnung wäre.
Falsche GewindeangabenGewindegröße, Steigung oder Toleranzklasse passen nicht zur verwendeten Lehre.
Prüfmittel nicht in OrdnungDer Lehrdorn ist verschlissen, beschädigt oder nicht mehr zuverlässig kalibriert.

Gerade deshalb sollte man bei einem auffälligen Prüfergebnis nicht sofort nur das Bauteil betrachten. Manchmal liegt der Fehler im Gewinde selbst. Manchmal aber auch in der Vorbereitung, im Werkzeug, in der falschen Lehre oder im Umgang mit dem Prüfmittel.

Warum die richtige Toleranz entscheidend ist

Bei Innengewinden ist zum Beispiel die Toleranz 6H sehr verbreitet. Diese Angabe gehört zur Gewindebezeichnung und muss zur verwendeten Lehre passen.

Ein Lehrdorn M6 x 1 6H prüft ein metrisches Innengewinde M6 mit 1,0 mm Steigung und Toleranz 6H. Genau deshalb sollten vor der Prüfung immer vier Punkte klar sein:

  • Gewindegröße
  • Steigung
  • Gewindeart
  • Toleranzklasse

Erst wenn diese Angaben stimmen, lässt sich der passende Gut- und Ausschusslehrdorn auswählen. Sonst kann ein gutes Gewinde fälschlicherweise als Ausschuss bewertet werden. Oder ein nicht passendes Gewinde wird versehentlich freigegeben.

Typische Fehler bei der Gewindeprüfung

Bei der Gewindeprüfung entscheidet nicht nur das Gewinde selbst, sondern auch der Umgang mit dem Lehrdorn. Besonders kritisch sind drei Punkte:

  • zu viel Kraft
  • falsche Lehre
  • beschädigtes oder ungeprüftes Prüfmittel

Wenn ein Lehrdorn nur mit Druck, Zange oder Werkzeug in das Gewinde kommt, ist das kein bestandenes Prüfergebnis. Dann wird nicht geprüft, sondern das Ergebnis verfälscht.

Auch die falsche Lehre führt schnell zu falschen Entscheidungen. Der Lehrdorn muss immer zur Gewindegröße, Steigung und Toleranz passen.

Dazu kommt der Zustand des Prüfmittels. Lehrdorne sind Präzisionswerkzeuge. Sie sollten sauber gelagert, vor Stößen geschützt und je nach Einsatz regelmäßig geprüft oder kalibriert werden.

Kurz gesagt: Der Lehrdorn muss passen, richtig geführt werden und selbst in gutem Zustand sein. Nur dann ist das Prüfergebnis zuverlässig.

Gewinde sicher prüfen mit VÖLKEL

Die Gewindeprüfung gehört direkt zur sauberen Gewindeherstellung dazu. Denn ein Gewinde ist nicht automatisch gut, nur weil es geschnitten oder geformt wurde. Erst die Prüfung zeigt, ob es wirklich innerhalb der geforderten Grenzen liegt.

Wir bieten passende Gewindelehren zur Prüfung von Innengewinden. Dazu gehören Präzisionsgewindelehrdorne, Gewindegrenzlehrdorne, Gutlehrdorne und Ausschusslehrdorne für unterschiedliche Gewindearten, Größen und Toleranzen.

Besonders sinnvoll ist die Prüfung direkt nach der Bearbeitung. So lässt sich früh erkennen, ob Kernloch, Werkzeug, Schnitttiefe und Gewindequalität zusammenpassen. Fehler fallen nicht erst in der Montage auf, sondern direkt dort, wo sie entstehen.

Der Vorteil liegt in der Prozesssicherheit:

  • Nacharbeit reduzieren
  • fehlerhafte Verbindungen vermeiden
  • Bauteile sicher freigeben
  • Montageprobleme früher erkennen
  • Gewindequalität direkt am Bauteil prüfen

So wird aus einem geschnittenen oder geformten Gewinde eine geprüfte Verbindung.

Fazit: Ein Gewinde ist erst geprüft wirklich sicher

Ein Innengewinde kann optisch gut aussehen und trotzdem außerhalb der Toleranz liegen. Deshalb ist die Prüfung mit Gut- und Ausschusslehrdorn so wichtig.

Ob als gemeinsamer Gewindegrenzlehrdorn oder als separate Gut- und Ausschusslehrdorne: Das Prinzip bleibt gleich. Die Gutseite muss sich leicht und vollständig einschrauben lassen. Die Ausschussseite darf nicht vollständig hineingehen. Genau dadurch wird sichtbar, ob das Gewinde innerhalb der zulässigen Grenzen liegt.

Wer Gewinde regelmäßig prüft, erkennt Fehler früher und sorgt für mehr Sicherheit in Werkstatt, Qualitätssicherung und Serienfertigung. Mit den passenden VÖLKEL Gewindelehren lassen sich Innengewinde zuverlässig kontrollieren – direkt nach der Bearbeitung und vor der Montage.

FAQ zur Prüfung mit Gut- und Ausschusslehrdorn

Was ist ein Präzisionsgewindelehrdorn?

Ein Präzisionsgewindelehrdorn ist ein Prüfmittel zur Kontrolle von Innengewinden. Je nach Ausführung kann er als Gewindegrenzlehrdorn mit Gut- und Ausschussseite oder als separater Gutlehrdorn beziehungsweise Ausschusslehrdorn ausgeführt sein.

Was ist ein Gut- und Ausschusslehrdorn?

Ein Gut- und Ausschusslehrdorn ist ein Prüfmittel für Innengewinde. Die Gutseite prüft die Verwendbarkeit, die Ausschussseite prüft, ob das Gewinde zu groß ausgefallen ist.

Was prüft die Gutseite?

Die Gutseite zeigt, ob das Innengewinde nicht zu eng ist und ob eine passende Schraube später sauber eingreifen kann.

Was prüft die Ausschussseite?

Die Ausschussseite zeigt, ob das Innengewinde zu groß ist. Lässt sie sich zu weit einschrauben, liegt das Gewinde außerhalb der zulässigen Toleranz.

Darf man beim Prüfen Kraft verwenden?

Nein. Ein Lehrdorn wird von Hand verwendet. Wenn er nur mit Druck, Zange oder Werkzeug in das Gewinde geht, ist das kein gültiges Prüfergebnis.

Warum ist die Toleranzklasse wichtig?

Die Toleranzklasse legt fest, innerhalb welcher Grenzen das Gewinde liegen muss. Der Lehrdorn muss deshalb immer zur Gewindegröße, Steigung und Toleranz passen, zum Beispiel M6 x 1 6H.

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