Zum Hauptinhalt springen Zur Suche springen Zur Hauptnavigation springen

Linksgewinde: Woran erkennst du sie – und wie schneidest du sie richtig?

Linksgewinde begegnen einem deutlich seltener als Standardgewinde, weil sie kein Standard, sondern die Ausnahme sind. Gerade deshalb sorgen sie in Werkstatt, Instandhaltung und Montage immer wieder für Unsicherheit.

Dabei ist das Grundprinzip schnell erklärt: Ein Linksgewinde ist das Spiegelbild eines Rechtsgewindes. Es wird gegen den Uhrzeigersinn angezogen und im Uhrzeigersinn gelöst.

Eingesetzt wird es überall dort, wo sich ein normales Rechtsgewinde durch Rotation selbst lösen könnte oder wo Fehlanschlüsse konstruktiv verhindert werden sollen. Typische Beispiele sind das linke Fahrradpedal, rotierende Bauteile und Armaturen an Gasflaschen.


Unterschied zwischen Rechtsgewinde und Linksgewinde

Rechts- und Linksgewinde unterscheiden sich nicht im Grundprinzip, sondern in der Drehrichtung:

  • Beim Rechtsgewinde erfolgt das Anziehen im Uhrzeigersinn.
  • Beim Linksgewinde erfolgt das Anziehen gegen den Uhrzeigersinn.

Gerade in der Praxis ist genau dieser Unterschied entscheidend, weil er darüber bestimmt, ob ein Gewinde sauber greift oder bereits beim Ansetzen beschädigt wird.

„Linksgewinde sind in der Praxis eher die Ausnahme. Genau deshalb ist es entscheidend, sie sofort zu erkennen. Drehrichtung, Werkzeug und Anwendung müssen von Anfang an sauber zusammenpassen.“
Simon Siebert
Head of Production & QS

Woran erkennt man ein Linksgewinde?

Ein Linksgewinde erkennst du in der Praxis vor allem an diesen Punkten:

  • Kennzeichnung prüfen: In Zeichnungen und Bezeichnungen steht meist „LH“ für Left Hand.
  • Flankenverlauf ansehen: Frontal betrachtet steigen die Gewindegänge von rechts unten nach links oben.
  • Anwendung mitdenken: Linksgewinde kommen oft dort vor, wo sich ein Rechtsgewinde durch Bewegung selbst lösen könnte.
  • Nicht mit Gewalt arbeiten: Greift eine Schraube nicht sauber, sollte immer zuerst die Gewinderichtung geprüft werden.


Wo kommen Linksgewinde typischerweise zum Einsatz?

Linksgewinde werden überall dort eingesetzt, wo sich ein normales Rechtsgewinde durch Bewegung oder Drehrichtung selbst lösen könnte. Typische Beispiele sind das linke Pedal am Fahrrad, rotierende Bauteile, bestimmte Spann- und Verstellelemente sowie Armaturen an Gasflaschen.

Gerade in solchen Anwendungen ist die abweichende Gewinderichtung kein Sonderfall ohne Grund, sondern eine konstruktive Lösung gegen Fehlfunktion und Selbstlösen.


Innengewinde schneiden: Schritt für Schritt

Am Anfang steht immer die richtige Vorbereitung des Kernlochs. Für metrische Innengewinde gilt die bekannte Faustformel:

Kernlochdurchmesser = Nenndurchmesser – Steigung

Bei einem M8 x 1,25 ergibt sich daraus rechnerisch 6,75 mm; in der Tabelle wird dafür praktisch 6,8 mm geführt. Danach wird das Kernloch gebohrt und die Bohrung leicht angesenkt, damit der Gewindebohrer sauber ansetzt. Bei Sacklöchern muss natürlich auch die erforderliche Tiefe berücksichtigt werden.

Für das manuelle Schneiden eines Innengewindes werden Handgewindebohrer in mehreren Stufen eingesetzt. Üblich sind Vorschneider, Mittelschneider und Fertigschneider. Die Ringkennzeichnung hilft bei der Reihenfolge: ein Ring für den ersten Schnitt, zwei Ringe für den zweiten, kein Ring für den Fertigschneider.

Diese Aufteilung reduziert die Spanlast und führt sauberer ans Endmaß. Wer maschinell arbeitet, greift stattdessen zu Maschinengewindebohrern, die das Gewinde in einem Arbeitsgang erzeugen. Dabei ist die Form entscheidend: Form B ist für Durchgangslöcher, Form C beziehungsweise C/35° RSP für Sacklöcher vorgesehen.

VÖLKEL empfiehlt, die Wahl des Gewindebohrers immer konsequent an Anwendung und Bohrungsart auszurichten. Gerade bei Linksgewinden zahlt sich ein sauber abgestimmtes Werkzeugkonzept aus, da Fehler durch die ungewohnte Drehrichtung schneller entstehen.

Beim eigentlichen Schneiden zählt dann weniger Kraft als Kontrolle. Der Gewindebohrer muss sauber axial ausgerichtet werden, das Schneidmedium sollte zum Werkstoff passen, und beim Linksgewinde wird konsequent gegen den Uhrzeigersinn geschnitten.

Besonders kritisch ist der erste Ansatz. Wird der Gewindebohrer in die falsche Richtung angesetzt oder verkantet, können die ersten Gewindegänge bereits beschädigt werden. Gerade bei Linksgewinden passiert das schnell, wenn unbewusst in die gewohnte Drehrichtung gearbeitet wird.

Aus Sicht von VÖLKEL sind dabei vor allem eine gerade Führung, der passende Kühlschmierstoff und eine stabile Prozessführung entscheidend, um ein maßhaltiges und sauberes Gewinde zu erzielen.


Außengewinde schneiden: So geht’s sauber mit dem Schneideisen

Beim Außengewinde ist die Vorbereitung mindestens genauso wichtig wie beim Innengewinde. Zuerst wird der Bolzen auf den passenden Vorarbeitsdurchmesser gebracht und an der Stirnseite leicht angefast.

VÖLKEL führt dafür eigene Tabellen mit empfohlenen Bolzendurchmessern; für ein M8 liegt der empfohlene Vorarbeitsdurchmesser bei rund 7,87 mm. Auch hier gilt: Ein sauber vorbereiteter Ansatz entscheidet oft darüber, ob das Gewinde präzise läuft oder schief startet.

Geschnitten wird das Außengewinde mit einem passenden Links-Schneideisen im Schneideisenhalter, idealerweise unterstützt durch eine Führung.

Aus Sicht von VÖLKEL ist eine saubere Werkzeugführung beim Schneiden von Außengewinden einer der entscheidenden Faktoren. Eine Schneideisenführung sorgt dafür, dass das Werkzeug exakt axial zum Bolzen ausgerichtet bleibt und verhindert so typische Ansatzfehler.

Beim Linksgewinde dreht man das Schneideisen gegen den Uhrzeigersinn auf den Bolzen. Wird das Schneideisen falsch herum angesetzt oder in die falsche Richtung gedreht, schneidet es nicht sauber, sondern drückt und beschädigt die Gewindeflanken. Das Ergebnis ist ein beschädigtes, nicht mehr maßhaltiges Gewinde, das sich nicht mehr montieren lässt.

Ist die gewünschte Gewindelänge erreicht, wird es im Uhrzeigersinn wieder abgenommen. Beim Schneidvorgang selbst sind Schneidöl, ein gerader Ansatz und kontrolliertes Arbeiten entscheidend, nicht hohe Kraft.

Ein praxisnahes Beispiel zeigt den Unterschied zwischen Innen- und Außengewinde sehr gut: Für ein M8 x 1,25 LH braucht das Innengewinde ein Kernloch von 6,8 mm, während der Bolzen für das Außengewinde auf etwa 7,87 mm vorbereitet wird.

Die Gewinderichtung ändert also nicht die Grundlogik der Vorbereitung, sie dreht nur den Schneidvorgang um.


Die häufigsten Fehler bei Linksgewinden

Die meisten schlechten Linksgewinde entstehen nicht wegen der ungewohnten Drehrichtung, sondern wegen klassischer Vorfehler. Typisch sind vor allem diese Punkte:

  • falscher Kernloch- oder Bolzendurchmesser
  • fehlende Fase
  • schiefer Ansatz
  • zu wenig Schmierung
  • falsche Gewindebohrerform für die jeweilige Bohrungsart
  • Verwechseln der Drehrichtung

Gerade der letzte Punkt ist in der Praxis besonders kritisch. Wird ein Linksgewinde wie ein Rechtsgewinde behandelt, entstehen nicht nur Montageprobleme, sondern oft auch dauerhafte Beschädigungen am Gewinde.

Aus Sicht von VÖLKEL liegt die Ursache für fehlerhafte Gewinde in den meisten Fällen nicht im Werkzeug selbst, sondern in der Vorbereitung und Anwendung.

Wer sauber vorbereitet, gerade ansetzt und das passende Werkzeug für Durchgangs- oder Sackloch wählt, schafft die Grundlage für ein präzises und belastbares Linksgewinde.


So prüfst du das Ergebnis

Wer präzise arbeiten will, verlässt sich nicht nur auf das Gefühl beim Einschrauben des Gegenstücks. Für Außengewinde werden Lehrringe, für Innengewinde Lehrdorne verwendet.

Dabei gilt ein einfaches Prinzip:

  • Die GO-Seite muss sich vollständig und leicht auf- beziehungsweise eindrehen lassen.
  • Die NO-GO-Seite darf sich nur maximal etwa ein bis eineinhalb Gänge einschrauben.

VÖLKEL empfiehlt, Gewinde nicht nur nach Gefühl zu beurteilen, sondern konsequent mit passenden Lehren zu prüfen. Nur so lässt sich sicherstellen, dass Maßhaltigkeit und Funktion auch unter Belastung zuverlässig gegeben sind.

Ist ein vorhandenes Linksgewinde nur leicht beschädigt, kann vorsichtiges Nachschneiden mit dem passenden Gewindebohrer oder Schneideisen oft schon ausreichen.

Bei stärkerem Verschleiß oder deutlich beschädigten Gewindegängen sollte dagegen geprüft werden, ob eine Nacharbeit technisch noch sinnvoll ist oder das Bauteil ersetzt werden muss. Auch das gehört zur Praxis: Nicht jedes Gewinde lässt sich wirtschaftlich oder technisch sauber retten.


Fazit

Linksgewinde sind in der Praxis seltener, lassen sich mit dem richtigen Vorgehen aber genauso sicher herstellen wie Rechtsgewinde.

Wer sie erkennt, bevor er ansetzt, die LH-Kennzeichnung beachtet, das Werkstück korrekt vorbereitet und beim Schneiden konsequent gegen den Uhrzeigersinn arbeitet, erzielt genauso saubere Ergebnisse wie beim Rechtsgewinde.

Für die Praxis gibt es dafür passende Links-Handgewindebohrer, Maschinengewindebohrer, Schneideisen und komplette Linksgewinde-Sätze von VÖLKEL, also genau die Werkzeuge, mit denen sich Werkstatt, Instandhaltung und Serienanwendung sauber abdecken lassen.

Aus Sicht von VÖLKEL gilt: Linksgewinde unterscheiden sich nicht in der Technik, sondern in der Aufmerksamkeit, mit der sie gefertigt werden.

Weitere Beiträge
Schneideisen durch ein gro?es Schneideisen sichtbar.
Anwendungsberatung
Immer das perfekte Produkt für deine Anwendung
Beratung anfragen