Rohrgewindearten erklärt: G-Gewinde, R-Gewinde und NPT-Systeme sicher unterscheiden
Wer mit Fittings, Armaturen, Sensoranschlüssen oder Gewindewerkzeugen arbeitet, begegnet zwangsläufig den Kürzeln G, R, Rp, Rc und NPT. Das Problem: Im Alltag werden diese Bezeichnungen gern durcheinandergeworfen. Technisch ist das schlicht falsch. Entscheidend sind Gewindeform, Dichtprinzip und Norm. Genau dort trennt sich „passt irgendwie“ von „ist fachlich korrekt und dicht“.
Die Kurzfassung
- G steht für ein zylindrisches Whitworth-Rohrgewinde nach ISO 228-1. Es ist nicht dafür vorgesehen, im Gewinde selbst abzudichten. Abgedichtet wird über Dichtfläche, O-Ring oder Flachdichtung.
- R steht für ein kegeliges Außengewinde im System ISO 7-1 / EN 10226-1
- Rp steht für ein zylindrisches Innengewinde im selben System und wird typischerweise mit R-Außengewinden kombiniert
- Rc steht für ein kegeliges Innengewinde im selben System
- NPT ist das amerikanische kegelige Rohrgewinde nach ASME B1.20.1 mit 60° Flankenwinkel
- NPTF ist die Dryseal-Variante von NPT, die ohne Dichtmittel abdichten kann
- NPS ist ein zylindrisches Rohrgewinde nach US-Standard ohne Dichtfunktion im Gewinde
Was sind G-, R-, Rp-, Rc-, NPT-, NPTF- und NPS-Gewinde?
G ist ein paralleles Rohrgewinde ohne Dichtfunktion im Gewinde nach ISO 228-1.
R, Rp und Rc sind Rohrgewinde nach ISO 7, bei denen die Dichtwirkung im Gewinde entsteht.
NPT ist ein amerikanisches kegeliges Rohrgewinde mit 60° Flankenwinkel.
NPTF ist eine Weiterentwicklung von NPT, bei der die Dichtwirkung ohne Dichtmittel über Metallkontakt entsteht.
NPS ist ein paralleles Rohrgewinde nach US-Standard ohne Dichtfunktion im Gewinde.
Unterschied zwischen parallelen und kegligen Rohrgewinden
BSP steht für British Standard Pipe und ist die Bezeichnung eines Gewindestandards bzw. einer Gewindenorm für Rohrgewinde aus dem britischen Raum. Innerhalb dieses Systems unterscheidet man zwischen parallelen Gewinden und kegeligen Gewinden. Parallel bedeutet: der Durchmesser bleibt über die Gewindelänge gleich. Kegelig bedeutet: der Durchmesser verändert sich über die Länge und wird in Einschraubrichtung kleiner, da das Gewinde konisch wie ein Kegel zuläuft.
Bei BSP ist das parallele Gewinde mit G bezeichnet, das kegelige mit R. Technisch sauber wird es bei den Normen: ISO 228-1 beschreibt Rohrgewinde, bei denen keine druckdichte Verbindung im Gewinde hergestellt wird. ISO 7-1 beziehungsweise EN 10226-1 beschreibt Rohrgewinde, bei denen druckdichte Verbindungen im Gewinde entstehen.
Genau deshalb sind G und R/Rp/Rc nicht einfach verschiedene Namen für dasselbe, sondern folgen unterschiedlichen technischen Prinzipien.
G-Gewinde: das parallele Rohrgewinde
Das G-Gewinde ist ein zylindrisches Whitworth-Rohrgewinde mit einem Flankenwinkel von 55°. Sowohl Innen- als auch Außengewinde sind parallel, das heißt: der Durchmesser bleibt über die gesamte Gewindelänge konstant.
Entscheidend ist das Dichtprinzip: G-Gewinde sind nicht dafür ausgelegt, im Gewinde selbst abzudichten. Die Abdichtung erfolgt immer außerhalb des Gewindes, zum Beispiel über eine Dichtfläche, einen O-Ring oder eine Flachdichtung.
Genau hier liegt eine der häufigsten Fehlerquellen in der Praxis. G-Gewinde werden oft fälschlicherweise so behandelt, als würden sie durch einfaches Verschrauben dicht werden. Das ist technisch nicht korrekt und führt im Zweifel zu Undichtigkeiten.
Typische Einsatzbereiche für G-Gewinde sind daher Verbindungen, bei denen die Dichtfunktion konstruktiv über separate Dichtelemente gelöst ist, etwa bei Verschraubungen mit planen Dichtflächen oder integrierten Dichtsystemen.
R, Rp und Rc: das im Gewinde dichtende System
R, Rp und Rc gehören zum System der im Gewinde dichtenden Rohrgewinde nach ISO 7-1 beziehungsweise EN 10226-1. Im Unterschied zum G-Gewinde entsteht die Dichtwirkung hier direkt über die Gewindeflanken.
Die Bezeichnungen sind klar definiert:
- R steht für ein kegeliges Außengewinde
- Rp für ein zylindrisches Innengewinde
- Rc für ein kegeliges Innengewinde
In der Praxis ist die häufigste Kombination R (außen) auf Rp (innen). Beim Einschrauben wird das kegelige Außengewinde in das Innengewinde gepresst. Durch diese Verformung entsteht die Dichtwirkung im Gewinde.
Wichtig: Auch wenn diese Gewinde „im Gewinde dichtend“ sind, wird in der Praxis fast immer mit Dichtmitteln gearbeitet, zum Beispiel PTFE-Band, Gewindedichtfaden oder Dichtpaste. Diese unterstützen die Dichtwirkung und gleichen Fertigungstoleranzen aus.
Rc als kegeliges Innengewinde kommt ebenfalls zum Einsatz, ist aber in der Praxis weniger verbreitet als die Kombination aus R und Rp. Für die Herstellung solcher Innengewinde kommen entsprechende Gewindebohrer zum Einsatz.
NPT: der amerikanische Standard
NPT steht für National Pipe Thread und ist der in den USA verbreitete Standard für kegelige Rohrgewinde nach ASME B1.20.1.
Auf den ersten Blick wirkt NPT ähnlich wie die europäischen R-Gewinde, tatsächlich gibt es aber entscheidende Unterschiede:
Der wichtigste ist der Flankenwinkel. Während Whitworth- bzw. BSP-Gewinde (G, R, Rp, Rc) mit 55° arbeiten, hat NPT einen Flankenwinkel von 60°. Zusätzlich unterscheiden sich auch die Gewindeprofile in der Form von Gewindespitzen und -gründen.
Das führt dazu, dass NPT und BSP-Gewinde nicht kompatibel sind, auch wenn sie auf den ersten Blick ähnlich aussehen. In der Praxis bedeutet das: Eine Mischung dieser Systeme führt entweder zu beschädigten Gewinden oder zu Undichtigkeiten.
Wie bei R-Gewinden entsteht die Dichtwirkung durch das konische Zusammenziehen der Gewindeflanken beim Einschrauben. Trotzdem wird auch bei NPT in der Regel mit Dichtmitteln wie PTFE-Band oder Dichtpaste gearbeitet, um eine zuverlässige Abdichtung sicherzustellen. Außengewinde werden hierbei typischerweise mit Schneideisen gefertigt.
NPTF und NPS: wichtige Varianten
NPTF (Dryseal):
NPTF ist eine Weiterentwicklung von NPT und ebenfalls ein kegeliges Rohrgewinde mit 60° Flankenwinkel. Der entscheidende Unterschied liegt im Dichtprinzip: NPTF ist so ausgelegt, dass die Abdichtung ohne zusätzliches Dichtmittel durch Metall-auf-Metall-Kontakt erfolgt. Möglich wird das durch engere Toleranzen und eine angepasste Gewindegeometrie.
NPS (National Pipe Straight):
NPS ist die zylindrische Variante im US-System. Das Gewinde ist parallel und dichtet nicht im Gewinde selbst. Die Abdichtung erfolgt – ähnlich wie bei G-Gewinden – über Dichtflächen oder O-Ringe.
Vergleich der Rohrgewindearten
| Gewinde | Form | Dichtprinzip | Norm | Flankenwinkel |
| G | parallel | nicht im Gewinde | ISO 228-1 | 55° |
| R | kegelig außen | im Gewinde | ISO 7-1 | 55° |
| Rp | parallel innen | im System mit R | ISO 7-1 | 55° |
| Rc | kegelig innen | im Gewinde | ISO 7-1 | 55° |
| NPT | kegelig | im Gewinde (mit Dichtmittel) | ASME B1.20.1 | 60° |
| NPTF | kegelig | metallisch dichtend (Dryseal) | ASME B1.20.3 | 60° |
| NPS | parallel | nicht im Gewinde | ASME B1.20.1 | 60° |
Welche Kombinationen funktionieren?
Nicht jede Kombination von Rohrgewinden ist sinnvoll oder technisch korrekt. Genau hier passieren in der Praxis die meisten Fehler.
- G auf G: Mechanisch passend, aber die Abdichtung erfolgt nicht im Gewinde, sondern über Dichtfläche, O-Ring oder Flachdichtung
- R auf Rp: Die Standardkombination im System nach ISO 7 / EN 10226 für im Gewinde dichtende Verbindungen
- R auf Rc: Ebenfalls eine vorgesehene Kombination innerhalb desselben Systems
- G-Außengewinde in Rp-Innengewinde: Wird in der Praxis manchmal gemacht, ist aber keine saubere Standardlösung. Ohne zusätzliche Abdichtung entsteht hier keine zuverlässige Dichtverbindung
- NPTF auf NPT: mechanisch kompatibel, aber das Dryseal-Prinzip funktioniert so nicht optimal
- NPS auf NPT: mechanisch möglich, aber ohne Dichtfunktion im Gewinde
- NPT mit BSP (G, R, Rp, Rc) kombinieren: Keine gute Idee. Unterschiedliche Flankenwinkel und oft auch unterschiedliche Steigungen führen dazu, dass die Gewinde nicht korrekt greifen
Ein typisches Beispiel: Bei 1/4" hat ein NPT-Gewinde 18 Gänge pro Zoll, ein BSP-Gewinde 19 Gänge pro Zoll. Das sieht ähnlich aus, passt aber technisch nicht zusammen.
Die einfache Regel: Nur Gewinde desselben Systems miteinander kombinieren. Alles andere ist ein Risiko für Undichtigkeiten oder beschädigte Bauteile.
Typische Fehler bei Rohrgewinden
- G-Gewinde als selbstdichtend behandeln → führt ohne zusätzliche Dichtung fast immer zu Undichtigkeiten
- NPT- und BSP-Gewinde miteinander mischen → unterschiedliche Winkel und Steigungen → passt nicht sauber
- Nur nach Außendurchmesser messen → falsche Zuordnung, da Zollangabe keine reale Maßangabe ist
- Steigung und Gewindeprofil ignorieren → entscheidende Unterscheidungsmerkmale fehlen
- Falsche oder verschlissene Werkzeuge verwenden (Gewindebohrer, Schneideisen) → Maßabweichungen und schlechte Gewindequalität
Warum 1 Zoll bei Rohrgewinden nicht 25,4 mm sind
Ein häufiger Denkfehler: Die Zollangabe bei Rohrgewinden wird direkt als Maß interpretiert. Das führt in der Praxis regelmäßig zu Verwirrung.
Bei Rohrgewinden ist die Zollbezeichnung keine direkte Angabe des Außendurchmessers, sondern eine historische Nenngröße aus der Rohrtechnik. Sie bezieht sich ursprünglich auf den ungefähren Innendurchmesser von Rohren, nicht auf das Gewinde selbst.
Das hat zur Folge: Ein Gewinde mit der Bezeichnung G 1 oder R 1 hat keinen Außendurchmesser von 25,4 mm, sondern liegt tatsächlich bei etwa 33,2 mm.
Wer also nur mit dem Messschieber misst und erwartet, dass „1 Zoll“ gleich 25,4 mm ist, liegt bei Rohrgewinden systematisch falsch.
Für die korrekte Identifikation sind daher immer Normtabellen, Gewindelehren und das Verständnis des jeweiligen Gewindesystems entscheidend.
So identifizierst du ein unbekanntes Rohrgewinde richtig
In der Praxis liegt das Problem selten darin, was auf der Zeichnung steht, sondern was tatsächlich vor dir auf der Werkbank liegt. Genau deshalb ist die richtige Identifikation entscheidend.
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Prüfen, ob das Gewinde parallel oder kegelig ist
Miss den Durchmesser an mehreren Stellen entlang des Gewindes.
Bleibt er gleich, handelt es sich um ein paralleles Gewinde (z. B. G oder NPS).
Wird er in Einschraubrichtung kleiner, ist es ein kegeliges Gewinde (z. B. R, NPT oder NPTF). -
Die Steigung bestimmen
Mit bloßem Auge kommst du hier nicht weit. Verwende eine Gewindelehre, um die Gangzahl pro Zoll bzw. die Steigung sauber zu bestimmen. Gerade bei ähnlichen Größen entscheidet oft genau dieser Wert. -
Das Gewindeprofil beachten
Der Unterschied zwischen 55° (BSP) und 60° (NPT/NPTF/NPS) ist klein, aber entscheidend.
Zusätzlich sind bei Whitworth-Gewinden die Spitzen und Gründe gerundet, bei NPT-Systemen eher flach ausgeführt. -
System und Norm zuordnen
Erst wenn Geometrie, Steigung und Profil zusammenpassen, kannst du das Gewinde eindeutig einem System zuordnen. Vorher ist jede Vermutung riskant.
Die wichtigste Regel zum Schluss: Nicht raten.
Ein falsch identifiziertes Gewinde führt fast immer zu beschädigten Bauteilen oder Undichtigkeiten.
Fazit
Die Unterscheidung der Rohrgewindearten ist kein Detail, sondern die Grundlage für funktionierende Verbindungen. G steht für ein paralleles Gewinde ohne Dichtfunktion im Gewinde, während R, Rp und Rc für im Gewinde dichtende Systeme nach ISO 7 stehen. NPT und NPTF bilden die amerikanischen Varianten mit kegeligem Gewinde und 60° Flankenwinkel, wobei NPTF als Dryseal-Ausführung auch ohne Dichtmittel abdichten kann. NPS ergänzt das System als paralleles US-Rohrgewinde ohne Dichtfunktion im Gewinde.
Wer diese Unterschiede sauber versteht, vermeidet typische Fehler wie falsche Kombinationen, Undichtigkeiten oder beschädigte Gewinde. Entscheidend ist immer das Zusammenspiel aus Gewindeform, Steigung, Profil und Norm.
Kurz gesagt: Nicht das Kürzel allein entscheidet, sondern das System dahinter.
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FAQ: Häufige Fragen zu Rohrgewinden
Sind G und Rp dasselbe?
Nein. Auch wenn beide Gewinde zylindrisch (parallel) sind, gehören sie zu unterschiedlichen Systemen.
G gehört zu ISO 228-1 und ist nicht im Gewinde dichtend.
Rp gehört zu ISO 7 / EN 10226 und ist Teil eines Systems, bei dem die Dichtwirkung im Gewinde entsteht.
Was ist der Unterschied zwischen NPT und NPTF?
Beide sind kegelige Rohrgewinde mit 60° Flankenwinkel.
Der Unterschied liegt im Dichtprinzip: NPT benötigt in der Regel Dichtmittel, während NPTF als Dryseal-Gewinde konstruktiv so ausgelegt ist, dass es auch ohne Dichtmittel abdichten kann.
Was ist NPS und wann wird es verwendet?
NPS ist ein paralleles Rohrgewinde nach US-Standard. Es dichtet nicht im Gewinde selbst, sondern benötigt zusätzliche Dichtelemente wie O-Ringe oder Dichtflächen. Es wird dort eingesetzt, wo eine zylindrische Gewindeverbindung mit externer Abdichtung benötigt wird.
Kann man NPT und BSP-Gewinde miteinander verschrauben?
Kurz gesagt: nein.
Unterschiedliche Flankenwinkel (60° vs. 55°) und oft auch unterschiedliche Steigungen sorgen dafür, dass die Gewinde nicht sauber ineinandergreifen. Das führt zu Undichtigkeiten oder beschädigten Bauteilen.
Wofür steht Rc?
Rc bezeichnet ein kegeliges Innengewinde im System nach ISO 7-1. Es wird typischerweise mit einem R-Außengewinde kombiniert und gehört zu den im Gewinde dichtenden Rohrgewinden.
Warum wirkt ein 1"-Gewinde größer als 25,4 mm?
Weil die Zollangabe bei Rohrgewinden eine Nenngröße ist und nicht den tatsächlichen Außendurchmesser beschreibt. Ein G 1 oder R 1 hat deshalb in der Praxis einen deutlich größeren Durchmesser.